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14.04.2011

Eine Studie sagt eine massive Verteuerung von Zusatzbeiträgen der

Krankenkassen voraus. Experten rechnen bis 2020 mit monatlichen Kosten von

120 Euro. Das Bundesgesundheitsministerium zweifelt an den Zahlen.

Die Zusatzbeiträge der Krankenkassen könnten einer Studie des Kölner
Instituts für Gesundheitsökonomie zufolge in Zukunft drastisch steigen.
Bereits für Ende 2012 wird ein durchschnittlicher Zusatzbeitrag von 21 Euro
vorhergesagt, für Ende 2013 von 33 Euro und bis Ende des Jahrzehnts von 120
Euro, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger am Donnerstag berichtete. Das
Bundesgesundheitsministerium zog die Berechnungen in Zweifel.

Das Kölner Institut unterstellt dabei dem Bericht zufolge ein jährliches
Ausgabenwachstum der gesetzlichen Kassen von vier Prozent, was unter dem
Durchschnitt der vergangenen vier Jahre liegt. „Die genannten Berechnungen
sind unseriös und entbehren jeder Grundlage“ erklärte ein Sprecher des
Gesundheitsministeriums. Das Modell gehe von einer Finanzierungslücke bei
der Einnahmen- und Ausgabenentwicklung in Höhe von vier Prozent aus. Dies
sei „selbst mit Blick auf die Vergangenheit eine abwegige Größe“.

Aus Kreisen des Ministeriums wurde auch auf die Leitung des Instituts durch
den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach verwiesen. Vor diesem
Hintergrund gehe es offenbar nur darum, Verunsicherung bei den Versicherten
zu stiften, hieß es.

Vor drastischen Kostensteigerungen bei den Zusatzbeiträgen warnte aber auch
der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). „70 Millionen Versicherten droht ein
böses Erwachen, wenn die Kopfpauschale in den nächsten Jahren Wirklichkeit
wird“, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in Berlin. Der DGB
kündigte weitere Proteste gegen die von Union und FDP durchgesetzte Regelung an, wonach die Höhe von Zusatzbeiträgen nicht mehr gedeckelt ist und Versicherte erst dann einen Anspruch auf einen Ausgleich erhalten, wenn der Zusatzbeitrag zwei Prozent ihres Monatseinkommens überschreitet. „Wir wollen die Kopfpauschale kippen, bevor sie die Menschen trifft“, erklärte
Buntenbach weiter. Ein entsprechende Petition wurde laut DGB bislang von
145.000 Bürgern unterzeichnet.

Dazu erklärte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, für die Versicherten
gebe es keinen Grund zur Sorge. Der Schätzerkreis habe für dieses Jahr
berechnet, dass die Zuweisungen eindeutig reichten, um die Ausgaben der
Krankenkassen zu decken.

„Die Kopfpauschalen-Falle schnappt zu“, kritisierte demgegenüber auch
Linken-Gesundheitsexperte Harald Weinberg. Er warf der Bundesregierung vor,
sie nehme in der Gesundheitspolitik „erhebliche Nettolohnverluste der
Arbeitenden und weiter sinkende Renten in Kauf“. Weinberg verwies auch auf
eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken, die in zehn
Jahren einen Zusatzbeitrag von 95 Euro monatlich erwarten lasse.

Das Kölner Institut für Gesundheitsökonomie wird nominell von Lauterbach
geleitet. Für die Zeit, in der der SPD-Gesundheitsexperte Mitglied des
Bundestages ist, wird die Leitung allerdings kommissarisch von dem
Wissenschaftler Markus Lüngen wahrgenommen.

Quelle: afp