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27.08.2008

Immobilie für die Altervorsorge - lohnt sich das?

 

Selbst genutztes Wohneigentum wird wieder staatlich gefördert, damit möglichst viele Menschen im Ruhestand keine Miete zahlen müssen. Aber wie sinnvoll ist es, die private Altersvorsorge mit Immobilien zu verknüpfen, deren Wert auch drastisch sinken kann?

 

 

Der Traum vom Eigenheim

 

Das eigene Häuschen – für die meisten Deutschen ist das das Sinnbild der idealen Altersvorsorge schlechthin: im Alter mietfrei wohnen und das Geld ist sicher in der eigenen Immobilie angelegt.

Bisher blieb der Immobilienerwerb bei der staatlich geförderten Altersvorsorge jedoch außen vor. Eine Benachteiligung, die mit Einführung des Wohn-Riesters beendet werden soll. Künftig dürfen Riester-Sparer ihr gesamtes Guthaben für den Bau und Kauf einer selbst genutzten Immobilie oder den Erwerb von Anteilen an einer Wohnungsgenossenschaft verwenden.

 

 

Riester und der Immobilienmarkt


Ganz nebenbei könnte der Wohn-Riester-Zuschuss der am Boden liegenden Immobilienbranche auch wieder auf die Beine helfen. Schließlich können elf Millionen Riester-Sparer ihr Geld nun auch in Wohneigentum anlegen. Doch Experten sind skeptisch. Zusätzliche Nachfrage werde es mit Wohn-Riester kaum geben, sagt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen: „Wer sich heute keine Immobilie leisten kann, der wird sie sich auch mit Wohn-Riester nicht leisten können. Dafür reichen einfach die Förderbeträge nicht aus.“

Wohn-Riester - eine schöne Zugabe für Leute, die ohnehin gebaut oder gekauft hätten. Für eine Belebung auf dem Immobilienmarkt wird das wohl kaum reichen.

 

 

Ein bürokratisches Monster wird geboren


Ein weiterer Pferdefuß: Die Förderung gibt es nur für selbst genutzten Wohnraum. Allein diese Einschränkung werde aus Wohn-Riester ein Bürokratie-Förder-Programm machen, fürchtet Verbraucherschützer Thomas
Bieler: „Ich glaube, dass gerade auch die Finanzämter noch viel Spaß bekommen werden mit dem Wohn Riester.“ Denn diese müssen verfolgen, was über 20 bis 30 Jahre hinweg mit einer Immobilie geschieht. Zieht der „Wohn-Riesterer“ aus, wäre das förderschädlich und man müsste die erfolgte Förderung zurück fordern. „Ich denke, das ist eines der Hauptprobleme“, so Bieler. Hier werde „ein bürokratisches Monster aufgebaut, an dem noch viele verzweifeln werden“.

 

 

Nicht alle Immobilien sind eine gute Altersvorsorge


Nicht jedes schmucke Eigenheim ist später noch sein Geld Dazu kommt, dass der Erwerb einer Immobilie schon lange nicht mehr automatisch auch eine gute Geldanlage ist. Wer im Alter nicht mehr in seinem Eigentum wohnen kann oder will, für den kann es ein böses Erwachen geben: Es gibt nicht mehr genug junge Menschen, die eine Immobilie kaufen wollen. Die Branche verzeichnet in den vergangen Jahren extreme Wertverluste.
Ausgenommen sind im Grunde nur Objekte in Toplagen oder Ballungsgebieten.
„Im ländlichen Bereich gab es in den letzten zehn bis zwölf Jahren einen Wertverlust im Durchschnitt von 30 Prozent, und wenn es sich um sehr große Häuser handelt, die einen erheblichen energetischen Nachholbedarf haben, auch 50 Prozent“, berichtet der Kasseler Immobilienmakler Dr. Hans-Jürgen Krampe.

 

 

Wohn-Riester - Investition in Verlustgeschäfte?


Das Problem: Immobilien in besten Lagen sind für die meisten unerschwinglich. Es sei daher zu befürchten, dass mit Wohn-Riester am Ende eher Verlustgeschäfte gefördert würden, warnt Städteplaner Professor Ulf
Hahne: „Der Wohn-Riester ist gut gedacht, zielt aber in die falsche Richtung.“ Mit Blick auf die Zukunft sollte eher der Energie- und klimaeffiziente Umbau von Immobilien besser gefördert oder die Miete für Alte subventioniert werden, so der Städteplaner.
Altersgerechte Umbauten nicht förderungswürdig

Viele Eigenheime sind nicht alterstauglich Ein weiteres Problem beim Konzept Wohn-Rieser ist der Ausschluss von altersgerechten Sanierungen. Viele Wohnungen und Häuser könnten von ihren Eigentümern auch bis ins hohe Alter bewohnt werden – wenn bestimmte Barrieren nicht wären. Der Einbau eines Treppenliftes oder der Umbau zu einem barrierefreien Bad ist jedoch kostspielig. Eine Wohn-Riester-Förderung gibt es dafür aber nicht. Dabei sind es gerade solche Investitionen, die den Wert einer Immobilie in der Zukunft entscheidend mitprägen.

 

 

Das dicke Ende kommt mit der Rente: die Steuern


Trotz aller Bedenken: In wenigen Wochen werden die ersten zertifizierten Wohn-Riester-Angebote auf den Markt kommen. Wer unterschreibt, sollte vorher aber genau nachrechnen, denn mit einem schlechten Vertrag kann man sehr viel Geld verschenken.

Wichtig zu wissen ist: Wie bei allen Riester-Verträgen fordert das Finanzamt auch bei Wohn-Riester ab Rentenbeginn einen Teil des Geldes zurück. Das ganze System sei sehr kompliziert und schwer zu durchschauen, sagt Verbraucherschützer Bieler: „Es ist so, dass der Kunde Tilgung auf einen Kredit zahlt. Gleichzeitig werden diese Zahlungen auf einem Wohnförderkonto verbucht“.

Wenn man in Rente geht, wird das, was auf dem Wohnförderkonto verbucht ist, als Guthaben bewertet. Sozusagen eine fiktive Rente, die der „Wohn-Riesterer“ bezieht. Auf diese fiktiven Renteneinkünfte müssen dann Steuern gezahlt werden. „Der Hauseigentümer denkt vielleicht, er hätte ein Plus. Aber letztendlich ist es nur eine Steuerbelastung, die ihn da erwischt. Das wird für viele Leute schwer zu verstehen und auch für die Finanzämter schwer zu vermitteln sein“, schätzt Bieler.
Fazit

In den eigenen vier Wänden zu leben ist der Traum vieler Familien. Ob es auf lange Sicht auch eine gute Geldanlage ist, hängt von vielen Faktoren ab.
Auch in Zeiten von Wohn-Riester gilt deshalb: Drum prüfe, wer sich ewig bindet ...

Ein Beitrag von Ingo Blank

 

Quelle: DasErste.de