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27.06.2008

Steigende Renten, höhere Beiträge, bessere Pflegeleistungen und Hautkrebsuntersuchung auf Kassenkosten: In den Sozialversicherungen treten zum Monatsanfang zahlreiche Veränderungen in Kraft. Ein Überblick.

Die Leistungen für die 2,1 Millionen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen werden ausgeweitet. Im Gegenzug steigt der Beitragssatz für Arbeitnehmer und Arbeitgeber um 0,25 Punkte auf 1,95 Prozent des Bruttolohns, für Kinderlose auf 2,2 Prozent. Die Leistungen für Pflegegeld, ambulante Betreuung und die stationäre Versorgung Schwerstkranker steigen bis 2012 schrittweise an und sollen ab 2015 regelmäßig dynamisiert werden. Private Pflegeversicherer erhöhen ebenfalls ihre Beiträge.

 

Für viele gesetzlich Versicherte wird neben der Pflegeversicherung auch die Krankenversicherung teurer. Dem Bundesversicherungsamt zufolge planen mehr als 20 gesetzliche Kassen eine Anhebung, um gestiegene Ausgaben für Arzneimittel oder das Krankengeld auszugleichen. Die Hamburg Münchner verteuert sich für ihre Mitglieder um 0,8 Punkte auf insgesamt 16,4 Prozent.

Ein neuer Spitzenverband der 217 gesetzlichen Krankenkassen nimmt seine Arbeit auf. Wie in der Gesundheitsreform vorgesehen, übernimmt er auf Bundesebene all jene Aufgaben, die bisher den Verbänden etwa von AOK, BKK, IKK und Ersatzkassen zugewiesen sind. Hierzu gehören Vereinbarungen mit Ärzten und Kliniken, die Bestimmung von Festbeträgen für Arzneimittel, die Umsetzung der elektronischen Gesundheitskarte, Beschlüsse zur Prävention und die politische Interessenvertretung.

 

Experten des Verbands gehören dem Schätzerkreis an, der im Herbst eine Empfehlung für den bundesweiten Beitragssatz abgibt, der im Rahmen des Gesundheitsfonds eingeführt wird. Die alten Kassenverbände verlieren ihren Status als öffentliche Körperschaft.

 

Für alle gesetzlich Krankenversicherten ab 35 Jahren bezahlen die Kassen künftig alle zwei Jahre eine Untersuchung zur Früherkennung von Hautkrebs. Die Ärzte, die das Screening durchführen, erhalten eine Extra-Vergütung.

Eltern können ihre dreijährigen Kinder künftig zusätzlich auf Kassenkosten vom Kinderarzt untersuchen lassen. Die Untersuchung "U7a" soll zwischen dem 34. und 36. Lebensmonat stattfinden. Ziel ist es, in dieser wichtigen Entwicklungsphase gesundheitliche Problemlagen frühzeitig zu erkennen. Bisher haben Kinder bis zur Vollendung des fünften Lebensjahres Anspruch auf neun Untersuchungen (U1 bis U9).

Quelle: Financial Times Deutschland