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14.01.2010

Wirtschaft erholt sich nur langsam vom Rekordabsturz

Die Konjunktur ist 2009 so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Langsam kämpft sich die Wirtschaft aus dem Tief. Doch die Mitte des Jahres einsetzende Erholung erhält einen Dämpfer - im letzten Quartal verzeichnen die Statistiker Nullwachstum.
Die deutsche Wirtschaft hat 2009 den stärksten Einbruch der Nachkriegszeit erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um fünf Prozent im Vergleich zu 2008. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mit. 2008 war die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen, 2007 um 2,5 Prozent.
Grund für die schwere Rezession war der Einbruch bei Exporten und Investitionen. Die Ausfuhren brachen um 14,7 Prozent ein. Wegen der schlechten Exportaussichten gaben die Unternehmen ein Fünftel weniger für Maschinen, Fahrzeuge und andere Investitionsgüter aus. "Vom Außenhandel gingen deutlich negative Effekte für die wirtschaftliche Gesamtleistung aus", sagte der Präsident des Statistikamtes, Roderich Egeler.
Der private Konsum hielt sich noch vergleichsweise gut, weil die Preise kaum stiegen und die Abwrackprämie den Autokauf kräftig angekurbelt hatte. Die Verbraucher gaben im vergangenen Jahr 0,4 Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor. Die staatlichen Konjunkturpakete dämpften den Absturz.
Die Krise war auch im letzten Quartal 2009 noch spürbar. Nach ersten vorläufigen Schätzungen stagnierte die Wirtschaftsleistung saison- und kalenderbereinigt in den letzten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorquartal. Zuvor war die Wirtschaft im zweiten und dritten Vierteljahr gewachsen. Im ersten Quartal 2009 hatte es einen Rückgang von 3,5 Prozent gegeben. Kräftige Investitionen dank der staatlichen Konjunkturpakete holten die Wirtschaft danach aus der Rezession.
Nach Ansicht von Banken-Volkswirte steht die Erholung auf wackligen Füßen.
"Die Rezession ist ganz klar vorbei, aber noch nicht die Wirtschaftskrise", sagte Commerzbank-Ökonom Jörg Krämer. Auch Andreas Scheuerle von der Dekabank ist vorsichtig optimistisch: "Die Erholung war nicht so dynamisch wie wir es nach den Zahlen für das dritte Quartal erwartet hatten." Der Aufschwung bleibe holprig. Krämer geht davon aus, dass sich die Erholung fortsetzt, aber das hohe Tempo im Frühjahr nachlassen wird. "Die Unternehmen werden immer noch viel weniger produzieren als vor der Krise", sagte er.

Staatsdefizit liegt bei 77 Mrd. Euro

Die meisten Experten erwarten, dass 2010 nur ein Teil des Einbruchs aufgeholt wird. Die Bundesregierung rechnet Kreisen zufolge mit einem Wachstum von etwa 1,5 Prozent. Einige Ökonomen gehen jedoch von einem stärkeren Wachstum aus. Die Arbeitslosigkeit dürfte weiter steigen.
Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat Deutschland das Schlimmste hinter sich. "Nun kommt es darauf an, das Wachstum der Wirtschaft weiter zu beschleunigen und den Grundstein für einen sich selbst tragenden Aufschwung zu legen", sagte er in Berlin. Davon könne aber noch nicht die Rede sein. "Es liegt vor uns noch ein längerer, steiniger Weg."
Weil der Staat wegen der Krise seine Konsumausgaben um 2,7 Prozent erhöhte und zugleich die Steuereinnahmen sanken, wuchs die Staatsverschuldung erheblich. Das Defizit von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen erhöhte sich auf 77,2 Mrd. Euro. Die Summe entspricht 3,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Damit wurde die im EU-Stabilitätspakt festgesetzte Schuldengrenze von drei Prozent verletzt. Dennoch steht Deutschland damit im europäischen Vergleich noch gut da.
In diesem Jahr dürfte die Neuverschuldung auf das Rekordniveau von mehr als 100 Mrd. Euro anschwellen und die Defizitquote sich auf etwa sechs Prozent verdoppeln: Allein der Bund rechnet mit einem Fehlbetrag von fast 86 Mrd. Euro.

Quelle: FTD