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06.08.2008

Junges Glück: die erste Beziehung, das erste Gehalt; der erste Bausparvertrag. Den lieben wir. 31 Millionen Verträge gibt es derzeit. Es lockt die Wohnungsbauprämie, das Geschenk vom Staat: bis zu 45 Euro pro Jahr. Und dennoch: Hände weg, sagt Verbraucherschützer Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen: “Gerade die jüngeren Bausparer werden auf eine völlig falsche Fährte gelenkt. Der Staat setzt hier völlige Fehlanreize.“ Bausparen zum Sparen - da lohnt sich das Nachrechnen, der Blick auf die Rendite. Mit dem Finanzprofi Arno Gottschalk holen wir Angebote ein.
plusminus testet: Es droht Realverlust

Wir gehen zu vier großen Bausparkassen: LBS, BHW, Schwäbisch-Hall und Deutsche Bank Bausparen. Unsere Vorgaben: Wir wollen 15 Jahre lang 150 Euro im Monat sparen. Immobilie ja oder nein? Für alle vier Angebote macht der Experte Gottschalk den Vergleich: Bausparvertrag gegen Banksparplan.

So klingt es in der TV-Werbung: "Altersvorsorge fängt mit LBS Bausparen an; planbar und zinssicher; wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause." Obwohl wir uns mit der Immobilie noch nicht sicher sind, empfiehlt uns der LBS-Berater:
67.000 Euro Bausparsumme und 0,5 Prozent Zinsen. Nach 15 Jahren haben wir
28.016 Euro angespart. Der Banksparplan: Mit 4,2 Prozent Zinsen sind es hier
37.418 Euro. Das sind 9.402 Euro mehr als beim Bausparen.

Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen spricht Klartext:
"Renditemäßig sind das 0,5 Prozent - real sind Sie ärmer geworden, denn die Inflationsrate wird wahrscheinlich bei 2 Prozent oder mehr liegen." Miese Renditen für unser Erspartes auch bei den anderen Bausparkassen: BHW: 1,8 Prozent, Schwäbisch-Hall 1,0 Prozent, Deutsche Bank Bausparen 1,0 Prozent.
Lohnt Bausparen für Häuslebauer?

Gottschalk schildert Erfahrungen aus seiner Praxis: „Uns sind immer Bausparverträge empfohlen worden, die zu einem miserablen wirtschaftlichen Ergebnis führen, wenn man nachher die Immobilie nicht kauft.“ Die Bausparkassen überrascht diese plusminus-Recherche nicht. Ihr Argument lautet aber: Bausparen lohnt für Häuslebauer. Die LBS schreibt: „Der Kernnutzen des Bausparvertrages liegt (...) in den günstigen Darlehenszinsen, die der Bausparer sich bereits bei Vertragsabschluss für die Zukunft sichert. Dass er nicht gleichzeitig höchst-mögliche Guthabenszinsen erwarten darf, liegt auf der Hand.“ Auf das günstige Darlehen kommt es also an. Aber steht der Bausparer mit Darlehen wirklich besser da?
Magere Renditen

Der Schwäbisch-Hall-Berater ist ehrlich: Zum Sparen ist die Rendite zu schlecht. Bausparen sollten wir nur, wenn wir das Darlehen nehmen. Auch das rechnen wir durch. Wieder Bausparen gegen Banksparplan. Wir brauchen 57.000 Euro.
15 Jahre Bausparen bringen uns 29.187 Euro - 15 Jahre Banksparen 37.418 Euro. Auch hier wieder 8.231 Euro. Da wir diese Summe im Bausparvertrag nicht angespart haben, müssen wir ein höheres Darlehen aufnehmen. 27.813 Euro beim Bausparen gegen 19.582 Euro nach dem Banksparen. Das gleiche Ergebnis bei den anderen Bausparkassen: Die Mager-Rendite während der Ansparphase macht den Vorteil beim Darlehen zunichte. "Rechnet man diese Zinsverluste in der Ansparphase zu den Kosten, sind alle diese Angebote völlig unwirtschaftlich und eine Zumutung und es ist erstaunlich, dass keinem dieser Berater eigentlich klar ist, dass über solche langen Zeiten ein Bausparvertrag einfach nur eine Geldvernichtung ist", resümiert Gottschalk.
Steuergelder werden verpulvert

Warum aber fördert der Staat das unwirtschaftliche Bausparen auch noch mit der Wohnungsbauprämie? Immerhin: rund 500 Millionen Euro kostet das den Steuerzahler Jahr für Jahr. Gerade für junge Sparer lohnt das nicht. Wir besuchen Stuttgart. In Baden-Württemberg sitzen zwei große Bausparkassen.
Und hier sitzen auch die großen Befürworter der Wohnungsbauprämie. Wer braucht diese teure Subvention, die auch noch in die falsche Richtung geht?
Die Antwort gibt uns der Staatsminister für Bundesangelegenheiten, Wolfgang Reinhart, CDU, Bevollmächtigter des Landes Baden-Württemberg beim Bund: "Es gibt viele Bereiche in der öffentlichen Finanzwirtschaft, auch in der Steuerpolitik auch in der Subventionspolitik, wo mit mehr Geld viel weniger erreicht wird."

Im Klartext: weil es noch schlechtere Subventionen gibt als die Wohnungsbauprämie, zahlt man die munter weiter. Der Experte Gottschalk
erklärt: "Im Grunde werden hier Steuergelder verpulvert, um eine bestimmte Branche zu fördern; ohne Rücksicht darauf was überhaupt bei den Bausparern ankommt." Wer einfach nur Geld zurück legen will, lange spart mit kleinen Beträgen, der macht beim Bausparen ein Minusgeschäft.

Quelle: HR Fernsehen 05.08.2008