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19.08.2008

Sparer werden der Abgeltungssteuer auch dann nicht entgehen, wenn sie ihr Depot in den Mantel einer Kapitallebensversicherung packen. Das geht aus einem internen Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) hervor, das Capital vorliegt. Der Vorstoß ist laut Begründung die Antwort auf massive Werbeaktionen für Policen aus Liechtenstein.

Daneben sind dem BMF Kapitallebensversicherungen ein Dorn im Auge, die das Todesfallrisiko nur formal absichern, tatsächlich aber dazu dienen, die neue Abgeltungssteuer zu umgehen.


Bei dem Liechtensteiner Modell bringt der Anleger seine Wertpapiere als Einmalprämie in die Versicherung ein und umgeht damit die Abgeltungssteuer, die ab 2009 auf Zinsen, Dividenden und Gewinne bei Umschichtungen von Titeln zu zahlen ist. Bei Lebensversicherungen erfasst das deutsche Finanzamt Erträge erst mit Fälligkeit der Police und zwar – unter bestimmten Bedingungen – nur zur Hälfte. Der entsprechende Betrag unterliegt dann dem individuellen Steuersatz von bis zu 45 Prozent plus Solidaritätszuschlag. So können Anleger mit einem Policenmodell also Steuern sparen. Einnahmen aus Versicherungen fallen zudem nicht unter die EU-Zinsrichtlinie. Anders als beim Auslandsdepot gibt es somit weder eine Quellensteuer noch Kontrollmitteilungen.

Diese bisher legale Ausweichstrategie über Versicherungen will das BMF durchkreuzen, indem es Depots im Policenmantel wie Vermögens- oder Treuhandverwaltungen behandelt. Damit müssten Sparer Erträge jährlich versteuern. Die Änderung soll sogar für längst abgeschlossene Verträge greifen. Daher haben Versicherte mit saftigen Nachzahlungen für alle noch offenen Steuerbescheide der Vorjahre zu rechnen. Fonds­gebundene Lebensversicherungen sind von den Plänen nicht betroffen, sofern sie auf herkömmliche Investmentfonds setzen. Hier greift die Abgeltungssteuer erst bei Fälligkeit oder vorzeitigem Verkauf.

Damit Angebote mit minimalstem Versicherungsschutz nicht privilegiert werden, plant das BMF die Anwendung der Steuerregeln für Policen einzuschränken. Sie gelten dann nur, wenn die Auszahlung bei Eintritt des versicherten Risikos den Zeitwert der Versicherung um zehn Prozent übersteigt oder alternativ mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt wurden und der Todesfallschutz zumindest 60 Prozent der während der Laufzeit anfallenden Prämien ausmacht.

von Robert Kracht

Quelle: capital.de