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08.12.2008

Es ist die Perversion des Systems: Statt sich wie bisher vor allem um gesunde Versicherte zu bemühen, finden die Kassen zunehmend Gefallen an kranker Kundschaft. Grund: Es lohnt sich.

Mit dem 2009 startenden Gesundheitsfonds wird es für die gesetzlichen Krankenkassen deutlich attraktiver, chronisch kranke Versicherte unter der eigenen Kundschaft zu haben. "Manche Kassen machen regelrecht Jagd auf chronisch kranke Patienten", sagte Leonhard Hansen, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" vom Freitag.

So schickt die AOK Niedersachsen derzeit Mitarbeiter in Praxen, um mit den Ärzten die Akten von Patienten durchzusehen, wie ein AOK-Sprecher der Zeitung bestätigte. Die Ärzte sollen prüfen, ob sie die Erkrankungen für die Abrechnung richtig codiert haben.

Wenn ein Patient mit hohem Zuckerwert dabei zum "Diabetiker ohne Komplikationen" umcodiert wird, erhält die Kasse dem Bericht zufolge pro Patient im Monat 66 Euro zusätzlich aus dem Gesundheitsfonds, bei "Diabetikern mit akuten Komplikationen" sind es sogar 168 Euro. So sieht es die für die Kassen geltende Liste der "Morbiditätszuschäge für 80 ausgewählte Krankheiten" vor. Auch die Ärzte erhielten pro kontrollierter Akte von der AOK Niedersachsen zehn Euro.

Der AOK-Sprecher verteidigte das Vorgehen. Es gehe nur darum, Ärzten Hilfe für die sachlich richtige Codierung zu geben. Schließlich wäre es unrechtmäßig und unethisch, Patienten auf dem Papier kränker zu machen, als sie seien.

Quelle: Focus online