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27.06.2008

Berlin (Reuters) - Die von Rekord zu Rekord eilenden Ölpreise haben die Inflation im Juni so stark angeheizt wie seit fast 15 Jahren nicht mehr.

Die Verbraucherpreise stiegen um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Dezember 1993 (4,2 Prozent). Im Mai waren es noch 3,0 Prozent. Experten sagen im Sommer einen weiteren Anstieg auf 3,5 Prozent voraus, nachdem der Ölpreis zum Wochenschluss mit fast 142 Dollar je Fass einen neuen Rekord erreichte.

 

Das teure Öl trieb die Energiekosten massiv nach oben. Heizöl kostete nach den bislang vorliegenden Daten aus sechs Bundesländern um bis zu 69,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Kraftstoffpreise verteuerten sich um bis zu 16,4 Prozent, davon Diesel mit einem Plus von bis zu 32 Prozent besonders deutlich. An vielen Tankstellen mussten für einen Liter Sprit zeitweise Rekordpreise von mehr als 1,55 Euro hingeblättert werden. Auch Nahrungsmittel wurden um bis zu 8,8 Prozent teurer.

 

Das Ölkartell Opec sagt für die kommenden Wochen neue Spitzenpreise von 150 bis 170 Dollar voraus. "Das bedeutet mehr Inflation und weniger Wachstum", sagte EZB-Ratsmitglied Miguel Angel Fernandez Ordonez. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bezeichnete die galoppierenden Energiepreise als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft.

Die Bundesbank erwartet erst am Jahresende wieder einen nachlassenden Preisdruck in Deutschland. Für das Gesamtjahr rechnet sie mit einer Teuerungsrate von rund drei Prozent. Auch Analysten erwarten im Sommer keine Entspannung. Dann dürften auch die an den Ölpreis gekoppelten Preise für Erdgas und Fernwärme nach oben gehen, sagte Commerzbank-Analyst Matthias Rubisch. "Die Teuerung dürfte deshalb in den nächsten Monaten weiter auf 3,5 Prozent steigen", sagte er. Das belaste die Kaufkraft und den privaten Konsum. Schon im ersten Quartal stiegen die Preise schneller als die Löhne.

Die Preise klettern auch in anderen Euro-Ländern rasant. In Spanien wurde mit 5,1 Prozent die bislang höchste Teuerungsrate ermittelt. In Belgien lag sie mit 5,8 Prozent so hoch wie seit fast 24 Jahren nicht mehr.

 

Für den gesamten Euro-Raum erwarten die 44 von Reuters befragten Analysten eine Rekordinflationsrate von 3,9 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise auf mittlere Sicht nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gesichert. Sie hat deshalb signalisiert, ihren Leitzins kommende Woche erstmals seit gut einem Jahr von derzeit 4,0 auf dann 4,25 Prozent anzuheben.

Im Vergleich zum Vormonat Mai zogen die Verbraucherpreise um 0,3 Prozent an. Der für den europäischen Vergleich berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex stieg im Vergleich zum Vormonat um 0,4 und zum Vorjahresmonat um 3,4 Prozent. Die endgültigen Preisdaten mit weiteren Details veröffentlich das Bundesamt am 16. Juli.

 

Quelle: Reuters Deutschland