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14.04.2011

Solvency II-Studie: Jeder vierte Lebensversicherer mit Solvenzquote unter

100 Prozent

Mit Solvency II rücke das Kapital als knappe Ressource in den Mittelpunkt
der strategischen Überlegungen von Versicherungsunternehmen, stellen die
Studienautoren fest. Die Beratungsunternehmen Bain & Company und Towers
Watson analysierten Solvenz und Profitabilität des Kapitaleinsatzes der
jeweils 20 größten Lebens-, Schaden-/Unfall- und Krankenversicherer in den
vier größten europäischen Märkten (Deutschland, Frankreich, Italien und
Großbritannien).

Besonders kritisch ist laut Studie die Lage bei den deutschen
Lebensversicherern: Fast jedes vierte der simulierten Unternehmen hat danach
eine Solvenzquote von weniger als 100 Prozent, schreiben die Studienautoren.
Die Hauptursache sehen sie in einem Missverhältnis zwischen den Laufzeiten
der Versicherungsverträge und den Laufzeiten des angelegten Vermögens.

Entspannter ist die Situation bei den Krankenversicherern: Keine der
betrachteten Gesellschaften operiert mit einer Solvenzquote von weniger als
100 Prozent, heißt es weiter, da die Möglichkeit der laufenden
Beitragsanpassung Krankenversicherer unter Solvency II besser stelle. Für
die traditionell stark kapitalisierten Schaden-/Unfallversicherer steigt
unter Solvency II der Kapitalbedarf um mehr als 200 Prozent, trotzdem weisen
laut Studie weniger als fünf Prozent eine Solvenzquote von unter 100 Prozent
aus.

Unter Solvency II wird die Kapitalrendite zur zweiten entscheidenden
Kennzahl, führen die Studienautoren aus. Um europaweit die Profitabilität
vergleichen zu können, wird in der Studie die durchschnittliche
risikoadjustierte Rendite als Maßstab für die Rendite auf das eingesetzte
Kapital herangezogen. Danach verdient nur eine Minderheit der
Lebensversicherer die Kapitalkosten – in starker Abhängigkeit von dem
Produktmix des jeweiligen Hauses. Bei traditionellen Produkten mit einer
fest zugesagten Mindestverzinsung auf das Kapital ergab die Simulation eine
Rendite von durchschnittlich minus vier Prozent, besser gestalte sich die
Situation für fondsgebundene Produkte oder reine Risikopolicen, mit denen
sich zweistellige Renditen erwirtschaften lassen, stellt die Studie fest.

In der privaten Krankenversicherung lag die durchschnittliche
risikoadjustierte Rendite bei einem Prozent, wobei die Werte je nach
versicherungstechnischem Ergebnis und Ausschüttungsquote stark variieren.
Die Rendite der Schaden- /Unfallversicherer liegt ebenfalls bei
durchschnittlich einem Prozent, wobei insbesondere die Kfz-Versicherer laut
Studie nur schwer ihre Kapitalkosten verdienen.

Quelle: Kurs